Ratgeber

Remote-IT-Projekte finden: Remote-Anteile und Vor-Ort-Termine richtig prüfen

Das Projekt passt fachlich. Neben dem Titel steht „Remote“, weiter unten verlangt der Kunde jede Woche zwei Tage vor Ort. Für deinen Berater könnte genau daran der Einsatz scheitern. Kläre deshalb vor dem Profilvorschlag, welche Termine verbindlich sind und ob er sie übernehmen kann.

Von Metin Ozden · Stand: 20. September 2026

Eine Projektkarte verbindet einen Remote-Arbeitsplatz mit einzelnen Terminen vor Ort.

Erst die Präsenz klären, dann das Profil vorstellen

Lies das Remote-Label zusammen mit dem Projekttext und achte auf feste Tage beim Kunden. Prozentwerte helfen nur, wenn klar ist, auf welchen Einsatzumfang sie sich beziehen. Unten findest du Rechenbeispiele und eine Rückfrage, die sich direkt als Mail verwenden lässt.

Was die Remote-Angabe für deinen Berater bedeutet

Ein fester Tag pro Woche in einer anderen Stadt kann einen ansonsten passenden Einsatz unmöglich machen. Zwei früh geplante Workshops über mehrere Monate sind vielleicht machbar. Halte deshalb schon vor der Suche fest, welche Reisen dein Berater übernehmen kann. Nur nach einer Prozentzahl zu filtern, beantwortet diese Frage nicht.

Fiktive Formulierungsbeispiele: Einordnung und nächster Schritt
In der Anzeige stehtDaraus lässt sich ablesenDas bleibt zu klären
100 % remote; Kick-off beim KundenDie laufende Arbeit ist remote ausgeschrieben. Eine Reise bleibt vorgesehen.Klären, ob der Kick-off verbindlich ist und weitere Termine hinzukommen.
90 % remote / 10 % vor OrtEine konkrete Verteilung, sofern beide Werte denselben Einsatz beschreiben.Nachfragen, ob sich die Präsenztage bündeln lassen und wo sie stattfinden.
4 Tage remote und 1 Tag vor Ort pro Woche80 % remote bei insgesamt fünf Projekttagen pro Woche.Den wöchentlichen Reisetag gegen die Verfügbarkeit des Beraters prüfen.
80–100 % remote oder bis zu 100 % remoteDie obere Grenze verspricht keine vollständig freie Wahl des Arbeitsorts.Den verbindlichen Mindestanteil und die Entscheidung über Präsenztage erfragen.
100 % Auslastung; remote möglichDie Auslastung ist beziffert. Der Remote-Anteil bleibt offen.Eine konkrete Verteilung von Remote- und Vor-Ort-Tagen anfordern.
2 Tage vor Ort pro MonatOhne gesamten monatlichen Einsatzumfang lässt sich keine Quote berechnen.Gesamte Projekttage im selben Monat klären.
Remote-Label; Beschreibung nennt 50 % vor OrtDie Kennzeichnung allein sagt nicht, wie viel Präsenz vorgesehen ist.Mit dem Ansprechpartner abstimmen, ob die Hälfte des Einsatzes vor Ort stattfindet.

Zwei Anzeigen, bei denen sich genaues Lesen lohnt

Die folgenden Beispiele wurden am 20. September 2026 geprüft. Sie zeigen, wie Einsatzbedingungen veröffentlicht werden. Ob die Projekte noch verfügbar sind und welche Angaben inzwischen gelten, musst du beim jeweiligen Anbieter prüfen.

100 Prozent im Label, ungefähr 80 Prozent im Text

Eine ITCS-Projektleitung im ÖPNV war auf freelancermap mit 100 Prozent remote gekennzeichnet. Die Beschreibung nannte ungefähr 80 Prozent remote und 20 Prozent vor Ort als Orientierung. Die genaue Verteilung sollte noch abgestimmt werden. Für einen Berater ohne Reisebereitschaft wäre der Profilversand damit zu früh. Zuerst muss der Ansprechpartner sagen, welche Präsenz tatsächlich erwartet wird. Quelle: ITCS-Ausschreibung auf freelancermap.

50 Personentage, davon zwei vor Ort

Westhouse nannte für ein SAP-Testmanagement-Projekt 50 Personentage, davon zwei vor Ort. Bezogen auf diesen Gesamtumfang ergeben sich 48 Remote-Tage und damit 96 Prozent remote. Außerdem begrenzte die Anzeige den Remote-Arbeitsort auf Deutschland. Offen blieb für die Einsatzplanung, wann die beiden Termine liegen. Auch der vorgesehene Remote-Arbeitsort muss zur Anzeige passen. Quelle: SAP-Testmanagement bei Westhouse.

Remote-Anteil berechnen: Der Bezugszeitraum muss stimmen

Personentage, kurz PT, beschreiben den Arbeitsumfang. Kennst du den Gesamtumfang und die Tage vor Ort für denselben Berater, kannst du so rechnen:

Remote-Anteil = (gesamte Projekttage − Tage vor Ort) ÷ gesamte Projekttage × 100

Ein Rechenbeispiel: 40 Projekttage insgesamt, vier davon beim Kunden. Es bleiben 36 Tage remote, also 90 Prozent. Die Rechnung funktioniert ebenso für eine Woche oder einen Monat. Entscheidend ist, dass du zusammengehörende Angaben verwendest.

„Zwei Tage vor Ort im Monat“ reicht deshalb noch nicht. Bei 20 gebuchten Projekttagen sind es 90 Prozent remote. Arbeitet der Berater nur zehn Tage pro Monat für den Kunden, bleiben 80 Prozent. Nimm für die Rechnung die vereinbarten Projekttage; pauschal 20 Arbeitstage anzusetzen kann einen Teilzeiteinsatz falsch einordnen.

Auslastung ist eine eigene Angabe

Steht in der Anzeige „Auslastung 100 %“, beansprucht der Kunde damit die volle vereinbarte Arbeitskapazität. Wo gearbeitet wird, geht daraus nicht hervor. „Remote möglich“ im nächsten Satz macht daraus keinen vollständig ortsunabhängigen Einsatz. Frage getrennt nach Arbeitstagen pro Woche und nach der Verteilung auf remote und vor Ort.

Ein Kick-off ergibt noch keine Prozentzahl

Einmal zum Start anreisen lässt sich anders planen als ein wöchentlicher Bürotag. Ohne gesamten Einsatzumfang kannst du aus dem Kick-off aber keine belastbare Quote ableiten. „Sechs Monate Laufzeit“ hilft dabei wenig, wenn noch offen ist, wie viele Tage der Berater überhaupt arbeitet. Kläre außerdem, ob es bei diesem einen Termin bleibt.

Bei Spannen zählt für deine Planung die zugesagte Untergrenze: 80 bis 100 Prozent remote können 20 Prozent Präsenz bedeuten. „Bis zu 100 Prozent“ lässt sogar offen, welcher Anteil mindestens möglich ist. Plane den Berater erst ein, wenn die für ihn nötige Verteilung bestätigt wurde.

Diese Angaben brauchst du vor der Profilvorstellung

„Ist das Projekt wirklich remote?“ lässt als Rückfrage zu viel Spielraum. Nenne lieber die Angaben aus der Anzeige, die du klären möchtest. Für deine Entscheidung brauchst du Folgendes:

  • Einsatzumfang: Wie viele Tage sind pro Woche oder Monat vorgesehen? Auf welchen Zeitraum bezieht sich die Remote-Quote?
  • Präsenz: Welche Termine sind verpflichtend? Gibt es regelmäßige Bürotage oder nur einzelne Projekttermine?
  • Ort: An welchen Standorten finden diese Termine statt? Von welchem Land aus darf remote gearbeitet werden?
  • Planbarkeit: Sind die Termine schon bekannt, lassen sie sich bündeln und wie viel Vorlauf ist üblich?
  • Projektphasen: Ändert sich die Verteilung etwa bei Einführung, Test oder Abnahme?
  • Reiseaufwand: Wie sollen Anreise, Reisezeit und Übernachtungen im Angebot berücksichtigt werden?

Die Antworten gehören zur Projektchance, zusammen mit Datum und Ansprechpartner. Wenn ein Kollege die nächste Abstimmung übernimmt, sollte er erkennen können, was bestätigt ist und was noch offensteht.

Beispiel für eine Rückfrage

„Unser Berater kann den beschriebenen Einsatz fachlich abdecken und ist ab [Datum] an [Anzahl] Tagen pro Woche verfügbar. Vor einer Profilvorstellung würde ich gern die Präsenz abstimmen: In der Anzeige stehen [Angabe im Label] und [Angabe im Text]. Welche Verteilung ist vorgesehen? Für ihn wären [konkrete Reisemöglichkeiten] machbar. Bitte nennen Sie auch Einsatzort und bereits bekannte Termine.“

Remote-Projektcheck als Textvorlage herunterladen

Was „Remote“ bei der Suche mit WiseMatcher bedeutet

WiseMatcher durchsucht für Deutschland 22 Projektquellen und gleicht geeignete Ausschreibungen mit den Lebensläufen ab, die du einem Suchauftrag zugeordnet hast. Wählst du dort „Remote“, liegt die Grenze für bezifferte Angaben bei mindestens 85 Prozent. Diese Grenze gilt für unsere Suche.

Bei einer Spanne zählt die Untergrenze. Vier Remote-Tage und ein Präsenztag pro Woche liegen mit 80 Prozent darunter. Erkannte Widersprüche und nicht ausreichend klare Angaben werden bei der Prüfung ausgeschlossen. Fehlen konkretere Details, kann eine Remote-Kennzeichnung des Portals für die Vorauswahl genügen, solange keine widersprechenden Angaben erkannt werden. Damit ist nicht für jeden Treffer eine genaue Quote belegt.

Ein als vollständig remote ausgeschriebenes Projekt kann mit einem einmaligen Kick-off weiterhin in die Auswahl kommen. Wenn dein Berater gar nicht reisen kann, prüfe diesen Punkt vor der Vorstellung. Fehlende Angaben oder übersehene Widersprüche kann es geben. Der Ansprechpartner muss die Einsatzbedingungen bestätigen.

Welche Börsen und Vermittler für eure Suche relevant sind, zeigt der Vergleich der IT-Projektportale. Taucht dieselbe Anfrage mehrfach auf, hilft die Anleitung zu Projektdubletten und Doppelvorstellungen.

Häufige Fragen zu Remote-IT-Projekten

Bedeutet 100 Prozent remote, dass keine Reisen anfallen?

Das lässt sich aus einem Portal-Label allein nicht sicher ableiten. Lies auch die Beschreibung und frage nach Kick-off, Workshops und Abnahmen. Für einen Berater, der gar nicht reisen kann, muss ausdrücklich geklärt sein, ob sämtliche Termine aus der Ferne möglich sind.

Wie berechne ich den Remote-Anteil aus Personentagen?

Ziehe die Personentage vor Ort vom gesamten Einsatzumfang ab und teile das Ergebnis durch den gesamten Einsatzumfang. Bei 40 Personentagen insgesamt und vier Tagen vor Ort sind das 36 geteilt durch 40, also 90 Prozent remote. Beide Angaben müssen denselben Zeitraum und dieselbe Person betreffen.

Sind zwei Tage vor Ort im Monat noch überwiegend remote?

Dafür brauchst du den gesamten monatlichen Einsatzumfang. Bei 20 vereinbarten Projekttagen entsprechen zwei Präsenztage zehn Prozent vor Ort, also 90 Prozent remote. Bei zehn Projekttagen sind es 80 Prozent remote. Die bloße Monatsangabe reicht für die Berechnung nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Auslastung und Remote-Anteil?

Die Auslastung beschreibt, wie viel Arbeitszeit für das Projekt vorgesehen ist. Der Remote-Anteil beschreibt, welcher Teil dieser Projektarbeit aus der Ferne stattfindet. Ein Projekt kann Vollzeit beanspruchen und zur Hälfte vor Ort laufen. Umgekehrt kann ein kleiner Teilzeitauftrag vollständig remote sein.

Welche Projekte berücksichtigt WiseMatcher bei der Auswahl Remote?

WiseMatcher setzt für bezifferte Angaben mindestens 85 Prozent remote an. Bei Spannen zählt die Untergrenze. Erkannte widersprüchliche oder nicht ausreichend klare Angaben werden nicht als passend ausgewählt. Ohne konkretere Angaben kann eine Remote-Kennzeichnung des Portals für die Vorauswahl genügen. Kläre verbindliche Präsenztermine vor der Profilvorstellung.

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